Robert Zemeckis’ schlappe Luftnummer
5,5 von 10 Punkten
An einem Herbstmorgen verlässt SouthJet 227 Orlando, hebt zu einem Routineflug ab. Captain Whip Whitaker (Denzel Washington) steuert die Maschine gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Ersten Offizier Ken Evans (Brian Geraghty). Während eines schweren Sturms gerät das Flugzeug in Turbulenzen. Die Piloten haben mit einer Serie von technischen Problemen zu kämpfen. Schließlich kippt die Maschine in den Sturzflug, der Kapitän scheint die Kontrolle verloren zu haben. Whips letzte Chance: eine Rolle über die Flügel – so ließe sich das 50-Tonnen-Ungetüm kopfüber ohne Antrieb segeln, bis sich ein Chance zur Landung ergibt. Ihm bleiben nur noch Minuten, jeder Flughafen ist außer Reichweite, da findet Whip einen Streifen Land neben einer Kirche. Er dreht die Maschine und setzt auf. Der Aufprall ist gewaltig, aber dank Whip verlieren nur sechs Menschen an Bord ihr Leben. Für dieses Manöver wird Whip in den Medien als Held gefeiert. Aber einige Fragen bleiben offen. Die Ursache des Crashs ist weder seinen Vorgesetzten noch der Luftfahrtbehörde vollkommen klar.
Kritik: Zwölf Jahre nach „Cast Away“ setzt Robert Zemeckis wieder auf echte Schauspieler und widmet sich mit John Gatins doch recht klapprigem Drehbuch dem persönlichen Drama eines amerikanischen Antihelden. Bei „Flight“ sollten Kinogänger wissen, dass hier die große Denzel Washington-Show gefeiert wird. Das Hoffen und Bangen mit dem ewig strauchelnden Protagonisten und die Schuldfrage in einem korrupten System werden thematisiert. Am Ende geht es um banale Grundfragen nach wie Verantwortung oder Verleugnung – Ethik im ganz großen Hollywood-Gewand. Ob man dafür aber über zwei Stunden benötigt, bleibt offen. Denn Zemeckis liefert Routine-Ware. Der Altmeister inszeniert einfallslos, Emotionen werden mit den Greatest Hits der Rolling Stones erzeugt, die durchaus berechenbare Dramatik wirkt sehr geleckt.
Auch das gewollt ambivalente Verhältnis zwischen Washington und dem Kinozuschauer will nicht so 100-prozentig gelingen. Bis der Film seine wahre Geschichte gefunden hat, dauert es ewig, unnötige Haken werden geschlagen. „Flight“ schielt schamlos auf die Oscars, bietet hervorragend gespieltes Hochglanz-Kino, kann als Gesamtpaket weder packen, noch fesseln. Für einen großartigen Regisseur wie Robert Zemeckis ist „Flight“ eine doch recht dürftige Nummer geworden, die nie richtig abhebt, sondern am Ende regelrecht abstürzt.
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Deutscher Kinostart: 24. Januar 2013
Originaltitel: Flight
Produktionsjahr: 2012
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: John Gatins
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Studiocanal
Tagged: Denzel Washington, Don Cheadle, Flight, John Goodman, Robert Zemeckis
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